Lass Dampf ab! Wie du richtig mit Stress umgehst.

Kommt dir folgende Situation bekannt vor: du kommst nach einem anstrengenden und stressigen Arbeitstag nach Hause. Dein Körper fühlt sich schwer an, obwohl du dich kaum bewegt hast. Du fühlst dich müde und erschöpft. Du lässt dich auf die Couch fallen und döst ein. Wie fühlst du dich danach? Frisch und erholt? Wohl kaum! Höchstwahrscheinlich fühlst du dich danach eher wie erschlagen. Dein Körper hat ja den ganzen Tag über Stressenergie freigesetzt, um dich zu körperlicher Hochleistung zu befähigen. Und was hast du mit dieser ganzen Energie gemacht? Warum es für deine Gesundheit von enormer Bedeutung ist, trotz eines stressigen Tags ein verabredetes Tennismatch nicht abzusagen oder doch nochmal ins Fitnessstudio zu fahren, möchte ich nachfolgend erklären.

 

Den Begriff „Stress“ hat der österreichisch-kanadische Forscher Hans Seyle in die Psychologie eingeführt, um die Reaktion von Tieren und Menschen auf Belastungen zu beschreiben. In Momenten der Gefahr z.B. bei der Flucht vor einem Säbelzahntiger, schaltete schon der Körper unserer Vorfahren auf einen Alarmmodus, um möglichst schnell davonlaufen zu können und zu überleben. Zwar begegnen wir heute eher selten einem Säbelzahntiger, dafür lauern in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft viele anderen „Gefahren“, die bei uns Angst und Stress auslösen. Auf Leistungsdruck, Zeitmangel und Konfliktsituationen reagiert unser Körper heute, wie unsere Vorfahren früher auf existentielle Gefahren: unser Körper schaltet auf Alarmbereitschaft. Es kommt zu einer Adrenalinausschüttung, Blutdruck, Puls und Muskelspannung werden hochgefahren, die Darmtätigkeit wird gehemmt. Nach der Adrenalinausschüttung folgt die Cortisolausschüttung. Cortisol, das sogenannte Stresshormon, aktiviert im Körper eine zusätzliche Bereitstellung an Glucose (Zucker). Der Blutzuckerspiegel steigt und wir haben genug Energie, um der Gefahr bzw. dem Stress entgegenzutreten. Hinter diesem Mechanismus steckt also ein Jahrtausende alter genetischer Code.

 

Geht die Stresssituation schnell vorüber, fängt der Körper die Auswirkungen der Mobilmachung auf. Problematisch wird es allerdings, wenn wir regelmäßig oder über einen längeren Zeitraum in Alarmbereitschaft sind und wenn die körperliche Hochspannung nicht zeitnah abgebaut werden kann. Dauerstress, darin sind sich die Forscher einig, wirkt schädlich auf den gesamten Organismus. Dies äußert sich in einer verringerten Leistungsfähigkeit und Stimmungslage sowie einem erhöhten Risiko von depressiven Verstimmungen, erhöhtem Blutdruck, Arteriosklerose, einem geschwächten Immunsystem, schlechtem Schlaf und weiteren gesundheitlichen Langzeitfolgen.

 

Allerdings würden Wegrennen, Schreien oder auf einen Baum klettern von unserem Umfeld heute eher als verstörend wahrgenommen werden. Wir erleben zwar körperlich das Gleiche wie unsere Vorfahren vor ihrer Höhle, doch unsere Bewältigungsstrategien müssen heute zwangsläufig andere sein. „Im Adrenalinrausch merkt man einfach nicht, dass man auch Pausen machen muss“, sagt Helen Heinemann, Gründerin des privaten „Instituts für Burnout-Prävention“ in Hamburg. Beim Stressreport 2012 haben mehr als ein Viertel der Befragten angegeben, häufiger Pausen ausfallen zu lassen. Doch genau solche wohldosierten Pausen, Auszeiten im Arbeitstag und im Arbeitsleben sind enorm wichtig, damit keine gesundheitsschädlichen Langzeitfolgen entstehen, die durch anhaltenden Stress ausgelöst werden. Dennoch sollte Stress grundsätzlich nicht verteufelt werden. Besser ist es, ihn als eine Hilfe zu verstehen und als Mahnung, die eigenen Grenzen zu kennen und zu achten und seine Kräfte einzuteilen. Doch leider scheint uns unser Alltag oftmals einen Rhythmus aufzuzwingen, der die wesentlichen Prioritäten in unserem Leben vergessen lässt. Das Pflegen sozialer Kontakte und der eigenen Gesundheit tritt dabei oftmals in den Hintergrund. Daher ist es von entscheidender Bedeutung sich bestimmter Maßnahmen bewusst zu sein, mit denen man dem Stress effektiv entgegentreten kann.

 

Der soziale Zusammenhalt beispielsweise beeinflusst nämlich ebenfalls, wie gestresst sich jemand fühlt. Ein gut funktionierendes familiäres, freundschaftliches und kollegiales Umfeld kann als „Stresspuffer“ dienen. Neben der sozialen Unterstützung gibt es aber noch weitere gute Maßnahmen zur Stressreduktion: ausreichend guter Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung oder die Umsetzung von Entspannungstechniken spielen eine zentrale Rolle. Zu einer der effektivsten Maßnahmen, um Stress abzubauen zählt die sportliche Betätigung. Gerade hier ist es aber von enormer Bedeutung, das Richtige zu tun. Je nach Art des Stresses, sollte das Training ausgerichtet werden. Ein lockeres Cardio- oder Kräftigungstraining, gezielte Entspannungs- und Beweglichkeitsübungen oder der Besuch eines Yoga- oder Pilateskurs helfen dabei die bereitgestellte Energie zu verbrauchen, die wir in unserem Alltag nicht verbraucht haben. Nur so schaffen wir es Stresshormone effektiv abzubauen und den Körper tatsächlich zu entspannen. Nur so entkommen wir einem sich stetig aufbauenden Stresslevel, das über kurz oder lang körperlich und psychisch krank macht. Und das Beste am sportlichen Training: es hat nicht nur keine negativen Nebenwirkungen, wie die meisten Medikamente, die viele Menschen einnehmen; sondern ganz im Gegenteil: es hat neben der Stressreduktion zahlreiche positive Nebenwirkungen, die unser Wohlbefinden, unsere Leistungsfähigkeit und unsere Gesundheit verbessern.

 

Jetzt sollte es klar sein, warum ihr euer verabredetes Tennismatch nicht absagen oder doch nochmal ins Fitnessstudio fahren solltet, auch wenn ihr euch direkt nach der Arbeit nicht dazu in der Lage fühlt. Wenn ihr mit dem Match oder dem Training fertig seid, seid ihr vielleicht erschöpft; diese körperliche Erschöpfung geht aber einher mit einem guten und entspannten Wohlgefühl und dem Wissen, etwas Gutes für die eigene Gesundheit getan zu haben. Also: Tasche packen und los geht`s!

 

Bleibt gesund!

 

Euer Alex Arendt